RustDesk ist eine Open-Source-Remote-Desktop-Software, die als Alternative zu TeamViewer oder AnyDesk verwendet werden kann. Dieser Artikel behandelt die Unterschiede zwischen der Nutzung der offiziellen Server und dem Self-Hosting eines eigenen Servers auf einem VPS.
Nur die offiziellen Server verwenden
RustDesk bietet kostenlose Relay-Server, die sofort verwendet werden können. Der Hauptvorteil ist, dass keine Konfiguration erforderlich ist - einfach installieren und loslegen.
Allerdings befinden sich die offiziellen Server im Ausland (hauptsächlich in Deutschland und den USA), sodass bei Verbindungen aus anderen Ländern unweigerlich Latenz auftritt. In der Praxis können Verzögerungen von 100-200ms auftreten, was bei Aufgaben, die reaktionsschnelle Remote-Desktop-Operationen erfordern, frustrierend sein kann.
Da die offiziellen Server von vielen Nutzern gemeinsam genutzt werden, kann die Bandbreite zu Stoßzeiten eingeschränkt sein. Abends und am Wochenende kann es spürbar langsamer werden.
Bei Verwendung der offiziellen Server ist keine Client-Konfiguration erforderlich. Es funktioniert sofort nach der Installation.
Self-Hosting auf einem VPS
Das Einrichten von RustDesk-Servern (hbbs/hbbr) auf einem VPS bietet mehrere Vorteile.
- Die Verwendung eines VPS in Ihrer Region verkürzt den Kommunikationspfad zwischen Clients und reduziert die Latenz erheblich. Inlandsverbindungen können auf 10-30ms sinken
- Sie haben einen dedizierten Server und werden nicht von anderen Nutzern beeinflusst
- Kommunikation läuft nicht über Server Dritter, was bessere Sicherheit bietet
- Für Unternehmens- oder Organisationsnutzung können Verbindungen auf den eigenen Server beschränkt werden
Einen VPS auswählen
Regionale VPS-Anbieter bieten typischerweise Pläne ab wenigen Euro pro Monat.
- Hetzner Cloud - Ab 4€/Monat. Hervorragende Leistung, deutsche Rechenzentren
- DigitalOcean - Ab $5/Monat. Einfach zu bedienende Oberfläche
- Vultr - Ab $5/Monat. Rechenzentren in vielen Standorten
- Oracle Cloud Free Tier - Kostenlose Arm-Instanzen verfügbar. Ausreichend für RustDesk-Server
RustDesk-Server laufen problemlos mit 512MB-1GB Arbeitsspeicher. Der günstigste Plan reicht für den persönlichen Gebrauch aus.
Docker-Einrichtung
Die Einrichtung mit docker-compose ist unkompliziert.
version: '3'
services:
hbbs:
image: rustdesk/rustdesk-server:latest
command: hbbs
ports:
- 21115:21115
- 21116:21116
- 21116:21116/udp
- 21118:21118
volumes:
- ./data:/root
hbbr:
image: rustdesk/rustdesk-server:latest
command: hbbr
ports:
- 21117:21117
- 21119:21119
volumes:
- ./data:/root
Führen Sie docker-compose up -d aus, um zu starten. Beim ersten Start wird ein öffentlicher Schlüssel im data-Ordner generiert, der auf der Client-Seite konfiguriert werden muss.
Auf dem Client geben Sie die VPS-IP-Adresse unter “ID Server” und den Inhalt des öffentlichen Schlüssels unter “Key” ein.
Firewall-Konfiguration
Folgende Ports müssen auf dem VPS geöffnet werden.
- 21115 TCP - NAT-Typtest
- 21116 TCP/UDP - ID-Registrierung und Heartbeat
- 21117 TCP - Relay
- 21118/21119 TCP - WebSocket (falls benötigt)
Bei Verwendung von ufw können Ports mit diesen Befehlen geöffnet werden.
sudo ufw allow 21115:21119/tcp
sudo ufw allow 21116/udp
Wo sich Geschwindigkeit und Latenz ändern
RustDesk-Kommunikation ist grundsätzlich P2P, aber wenn NAT-Traversal fehlschlägt, läuft sie über den Relay-Server.
Für eine erfolgreiche P2P-Verbindung benötigt entweder eine Seite eine globale IP, oder UDP Hole Punching muss funktionieren. Wenn beide Seiten hinter CGNAT oder strengen Firewalls sind, ist P2P-Verbindung schwierig und Relay wird verwendet.
Bei Relay beeinflusst der physische Standort des Relay-Servers stark die Verbindungsgeschwindigkeit. Wenn Nutzer in derselben Region über einen ausländischen Relay-Server verbinden, erhöht sich die Rundreisedistanz und die Latenz steigt. Ein lokaler VPS-Server löst dieses Problem.
Sie können überprüfen, ob eine Verbindung P2P oder Relay ist, im RustDesk-Verbindungsinfo-Bildschirm. “Direct” bedeutet P2P, “Relay” bedeutet über den Relay-Server.
Wann braucht man einen VPS
Self-Hosting auf einem VPS lohnt sich in diesen Fällen.
- Häufige Remote-Verbindungen innerhalb Ihrer Region
- Geschäftliche Nutzung mit minimaler Latenzanforderung
- Sicherheitsrichtlinien, die externes Server-Routing verbieten
- Verwaltung mehrerer PCs mit einheitlichen Verbindungseinstellungen
Umgekehrt, wenn Sie nur gelegentlich aus dem Ausland verbinden oder Latenz nicht stört, reichen die offiziellen Server aus.
Zusammenfassung
RustDesk funktioniert auch nur mit den offiziellen Servern, aber für komfortable regionale Nutzung lohnt sich Self-Hosting auf einem VPS. Besonders für geschäftliche Nutzung oder häufige Remote-Verbindungen überwiegen die Vorteile die VPS-Kosten.
Die Self-Hosting-Einrichtung ist einfach mit Docker, sodass Sie bei VPS-Erfahrung in etwa 30 Minuten alles aufbauen können. Wenn ein paar Euro pro Monat Ihre Remote-Desktop-Erfahrung verbessern, ist es einen Versuch wert.